Ein Esszimmerstuhl, der täglich benutzt wird, eine Wohnmobilbank, die einiges aushalten muss, oder eine straff verarbeitete Wandverkleidung: Kunstleder ist für viele Polsterprojekte eine praktische und stilvolle Wahl. Das Material ist in überraschend vielen Strukturen, Farben und Qualitäten erhältlich. Wer nur nach Farbe wählt, kann sich jedoch ein Material ins Haus holen, das weniger gut zur Nutzung des Möbels passt. Die richtige Wahl beginnt daher bei der Anwendung.
Was ist Kunstleder genau?
Kunstleder ist ein Bezugsmaterial mit textiler Rückseite und einer Kunststoffdeckschicht. Diese Deckschicht hat oft die Optik von echtem Leder, kann aber auch matt, fein genarbt, glatt oder industriell wirken. In der Möbelbranche kommt Kunstleder auch unter Namen wie Skai, Vinyl oder Lederimitat vor. Diese Begriffe werden regelmäßig durcheinander verwendet, obwohl Zusammensetzung und Eigenschaften je nach Produkt unterschiedlich sind.
Die zwei bekanntesten Varianten sind PVC-Kunstleder und PU-Kunstleder. PVC ist in der Regel fest, formstabil und gut feuchtigkeitsbeständig. Dadurch ist es eine logische Wahl für intensiv genutzte Stühle, Gastronomieeinrichtungen, Boote oder bestimmte Automotive-Anwendungen. PU fühlt sich oft weicher und geschmeidiger an und hat meist eine ledrigere Ausstrahlung. Für einen luxuriösen Sessel oder ein modernes Sofa ist das angenehm, doch auch hier gilt: Schauen Sie weiter als nur auf das Gefühl in der Hand.
Eine gute Kunstlederqualität verbindet eine starke Deckschicht mit einem Träger, der für Polsterarbeiten geeignet ist. Stärke, Dehnung, Scheuerfestigkeit und eine eventuelle Schutzbeschichtung bestimmen letztlich, wie sich das Material während und nach dem Beziehen verhält.
Kunstleder wählen: Beginnen Sie bei der Nutzung
Die schönste Farbe ist erst dann wirklich schön, wenn das Möbel auch nach viel Nutzung noch gepflegt aussieht. Stellen Sie sich deshalb vorab eine einfache Frage: Was muss dieser Bezug täglich aushalten? Ein dekoratives Bänkchen im Schlafzimmer verlangt etwas anderes als Stühle in einem Warteraum oder ein Familienauto.
Für Stühle, Sofas und den Hausgebrauch
Für Esszimmerstühle ist ein gut abwischbares Kunstleder oft ideal. Flecken von Essen, Getränken oder Kinderhänden lassen sich meist schnell entfernen. Achten Sie bei Stühlen mit scharfer Kante oder tiefer Capitonnierung aber auf die Geschmeidigkeit. Zu steifes Material lässt sich in Ecken schwer straff ziehen und fällt bei starker Spannung weniger schön.
Bei Sofas und Sesseln zählt der Komfort mehr. Eine geschmeidige PU-Qualität mit angenehmer Haptik fühlt sich in der Regel besser an als eine harte, kalte Deckschicht. Haben Sie Haustiere? Dann sehen Sie Kunstleder nicht blind als Wundermittel. Haare und Schmutz lassen sich leicht entfernen, doch scharfe Krallen können Beschädigungen verursachen. Eine starke, hochwertige Qualität hilft, verhindert aber keine Kratzer durch intensive Nutzung.
Für Gastronomie und Objekte
In Gastronomie, Pflege, Praxisräumen und anderen Objekteinrichtungen ist Pflegeleichtigkeit oft ausschlaggebend. Achten Sie neben Farbe und Struktur auf die technischen Spezifikationen. Die Scheuerfestigkeit gibt einen Hinweis auf den Widerstand gegen Reibung, während Weiterreißfestigkeit und Zugfestigkeit bei straff gepolsterten Möbeln, die oft belastet werden, wichtig sind.
Manchmal gelten zudem besondere Anforderungen an Brandschutz, Reinigung oder Desinfektion. Prüfen Sie diese Bedingungen vor der Bestellung, nicht erst, wenn die Stühle schon beim Polsterer stehen. Eine Objektqualität kann pro Meter teurer sein, ist aber oft günstiger als ein frühzeitiges Neubeziehen.
Für Auto, Wohnmobil und Boot
Kunstleder für Automotive, Wohnmobile oder Boote ist Temperaturschwankungen, Sonnenlicht, Feuchtigkeit und intensivem Kontakt ausgesetzt. Ein Material, das im Innenraum wunderbar funktioniert, bleibt außerhalb, in einem Fahrzeug oder auf dem Wasser nicht unbedingt lange schön. Wählen Sie daher eine Qualität, die ausdrücklich für die jeweilige Anwendung geeignet ist.
Vor allem UV-Beständigkeit, Feuchtigkeitsbeständigkeit und ein stabiler Träger sind hier relevant. Bei einem Wohnmobilinterieur ist auch der Komfort wichtig: Eine zu glatte Oberfläche kann sich in der Sonne warm und im Winter kalt anfühlen. Ein Muster zu Hause oder im Fahrzeug anzusehen gibt mehr Aufschluss als ein Foto auf dem Bildschirm.
Achten Sie auf Farbe, Struktur und Oberfläche
Kunstleder ist längst nicht mehr auf glänzendes Schwarz oder Standard-Cognac beschränkt. Denken Sie an warme Sandtöne, ruhiges Greige, tiefes Grün, Petrol, Bordeaux und moderne Grautöne. Eine matte Oberfläche wirkt oft ruhiger und verbirgt leichte Gebrauchsspuren besser. Eine glänzende Variante kann dagegen gut zu einem Retrostuhl, einer Bar oder einem ausdrucksstarken Einrichtungskonzept passen.
Auch die Narbung macht einen Unterschied. Eine feine Lederoptik ist vielseitig einsetzbar und wirkt ordentlich und zeitlos. Eine gröbere Narbung wirkt natürlicher und kann kleine Unebenheiten im Untergrund besser kaschieren. Für ein straffes Paneel oder einen minimalistischen Stuhl ist ein glatteres Kunstleder meist schöner, sofern der Untergrund perfekt eben ist.
Bestellen Sie im Zweifel immer ein Muster. Farben verändern sich durch Tageslicht, die Farbe umliegender Materialien und die Einstellungen Ihres Bildschirms. Mit einem Muster können Sie außerdem fühlen, wie viel Dehnung das Kunstleder hat, und beurteilen, ob die Struktur zu Ihrem Projekt passt.
Kunstleder ohne unnötige Probleme verarbeiten
Ein gepflegtes Ergebnis beginnt mit einem sauberen Untergrund. Entfernen Sie alte Klammern, lose Schaumstoffreste und scharfe Kanten, bevor Sie neues Kunstleder anbringen. Beschädigten Schaumstoff oder abgenutztes Dacron ersetzen Sie am besten sofort. Ein neuer Bezug über einer schlechten Basis spannt am ersten Tag vielleicht schön, zeigt Mängel aber schnell wieder.
Kunstleder hat oft in einer Richtung Dehnung und in der anderen weniger. Bestimmen Sie diese Richtung, bevor Sie zuschneiden, besonders bei Sitzen, runden Formen und Paneelen. Legen Sie das Material großzügig auf, spannen Sie von der Mitte nach außen und befestigen Sie es abwechselnd an gegenüberliegenden Seiten. So verhindern Sie, dass der Bezug schief zieht oder Falten wirft.
Verwenden Sie stabile Klammern, die zu Ihrem Untergrund und Werkzeug passen. Bei Holz sind Klammern eine schnelle und zuverlässige Wahl, während Kontaktkleber zum Beispiel für dünne Paneele, Kanten oder Teile praktisch sein kann, an denen Klammern nicht möglich sind. Arbeiten Sie beim Kleben sorgfältig und gemäß den Anweisungen des Produkts. Zu frühes Zusammenfügen oder zu viel Kleber kann sichtbare Unebenheiten verursachen.
Für ein straffes Finish an Kanten, Nähten oder Kissen sind passendes Garn, Paspeln und eine gute Nähmaschine mindestens so wichtig wie das Kunstleder selbst. Einsteiger sollten zuerst ein Probestück nähen. Stichlänge, Nadelstärke und Spannung bestimmen mit, ob die Naht flach bleibt und sich nicht kräuselt.
Pflege: mit Bedacht reinigen
Ein großer Vorteil von Kunstleder ist, dass die tägliche Pflege einfach bleibt. Staub und losen Schmutz entfernen Sie mit einem weichen, leicht feuchten Tuch. Bei einem frischen Fleck wirkt schnelles Handeln am besten: vorsichtig abtupfen und mit lauwarmem Wasser und einem milden, für Kunstleder geeigneten Reinigungsmittel säubern.
Vermeiden Sie aggressive Entfetter, Bleichmittel, Scheuermittel und Lösungsmittel. Diese können die Schutzschicht angreifen, wodurch die Oberfläche stumpf, klebrig oder spröde wird. Auch ein Scheuerschwamm ist keine gute Idee, so hartnäckig der Fleck auch scheint. Testen Sie ein Reinigungsmittel zuerst an einer unauffälligen Stelle, wenn Sie sich der Reaktion nicht sicher sind.
Stellen Sie Möbel mit Kunstleder möglichst nicht dauerhaft in grelles Sonnenlicht oder direkt an eine Wärmequelle. Vor allem bei dunklen Farben kann längere Hitze die Lebensdauer beeinflussen. Regelmäßiges leichtes Reinigen ist besser als gelegentliches kräftiges Schrubben.
Qualität vergleichen, ohne zu raten
Preisunterschiede zwischen Kunstlederarten gibt es nicht ohne Grund. Eine günstige Qualität kann für ein Zierkissen, ein kleines Hobbyprojekt oder ein wenig genutztes Möbel hervorragend funktionieren. Für ein Set Esszimmerstühle, eine Geschäftseinrichtung oder eine Serienproduktion sind gleichbleibende Farbe, ausreichender Lagerbestand und zuverlässige technische Eigenschaften meist wichtiger.
Vergleichen Sie deshalb nicht nur den Meterpreis. Achten Sie auf Breite, Zusammensetzung, Stärke, Dehnung, Scheuerfestigkeit und empfohlene Anwendung. Berücksichtigen Sie auch den Verschnitt bei Schnittmustern, Nähten und wiederkehrenden Formen. Bei mehreren Stühlen aus einem Projekt ist es sinnvoll, alles gleichzeitig zu bestellen, damit Farbunterschiede zwischen Färbechargen begrenzt werden.
Bei BLADI Möbelstoffe finden Sie Kunstleder in unterschiedlichsten Farben, Strukturen und Qualitäten für Heimwerker ebenso wie für Fachleute. Sind Sie nicht sicher, welche Art zu Ihrem Stuhl, Wohnmobilinterieur oder Ihrer Objekteinrichtung passt? Lassen Sie sich dann zuerst beraten und beurteilen Sie ein Muster in dem Raum, in dem das Möbel später stehen wird. Diese kleine Vorarbeit macht den Unterschied zwischen einem Bezug, der nur neu gut aussieht, und einem Ergebnis, an dem Sie jahrelang Freude haben.