Ein Sofa kann noch gut sitzen, während die Rückenkissen ihre Form völlig verloren haben. Sie sacken schief, fühlen sich leer an oder passen nicht mehr zu Ihrem Interieur. Lose Rückenkissen selbst zu nähen ist dann eine kluge Möglichkeit, Komfort, Optik und Festigkeit wieder selbst in die Hand zu nehmen. Mit den richtigen Maßen, einer passenden Füllung und einem scheuerfesten Möbelstoff nähen Sie Kissen, die gepflegt aussehen und den täglichen Gebrauch aushalten.
Zuerst festlegen: Was soll das Rückenkissen leisten?
Schauen Sie nicht nur auf das Außenmaß des alten Kissens. Ein Rückenkissen stützt Ihren unteren Rücken und bestimmt mit, wie tief Sie auf dem Sofa sitzen. Ein zu dickes Kissen schiebt Sie nach vorn, während ein zu dünnes oder zu schlaffes Kissen wenig Halt bietet. Messen Sie das vorhandene Kissen deshalb aus, solange es noch in Form ist, oder bestimmen Sie die gewünschte Größe anhand der Rückenlehne und der Sitztiefe des Sofas.
Für ein geradliniges, modernes Sofabild funktioniert ein rechteckiges Kissen mit begrenzter Dicke gut. Möchten Sie dagegen eine lockere, bequeme Lounge-Optik, darf das Kissen voller und weicher sein. Berücksichtigen Sie auch die Anzahl der Kissen. Zwei breite Rückenkissen wirken ruhig, während mehrere kleinere Kissen leichter zu verschieben und aufzuschütteln sind.
Wählen Sie eine Füllung, die zur Nutzung passt
Die Füllung bestimmt, ob ein Rückenkissen elastisch bleibt. Für lose Rückenkissen ist ein Innenkissen mit Silikonfaserflocken, auch Kugelfaser genannt, eine beliebte Wahl. Diese Füllung fühlt sich weich an, verteilt sich gut und lässt sich leicht wieder aufschütteln. Für ein etwas festeres Ergebnis können Sie Faserflocken mit Schaumstoffflocken kombinieren.
Wer eine straffe, formstabile Rückenlehne möchte, kann mit Kaltschaum oder Polyetherschaum arbeiten, abgeschlossen mit Dacron. Dacron ist eine weiche Polyesterwatteschicht, die scharfe Schaumstoffkanten abmildert, das Kissen schöner füllt und verhindert, dass der Stoff direkt über den Schaumstoff scheuert. Schaumstoff gibt mehr Halt, fühlt sich aber weniger locker und fluffig an als eine Faserfüllung.
Ein guter Mittelweg ist ein Schaumstoffkern mit einer großzügigen Lage Dacron. Das verlangt etwas mehr Genauigkeit beim Zuschneiden und Nähen, ergibt aber ein Rückenkissen, das lange schön in Form bleibt. Für ein Sofa, das intensiv genutzt wird, ist das oft die praktischste Wahl.
Lose Rückenkissen selbst nähen: Materialien zusammenstellen
Für dieses Projekt benötigen Sie Möbelstoff, einen Innenstoff oder Inlett, Füllung, einen passenden Reißverschluss und starkes Nähgarn. Verwenden Sie für den Außenbezug möglichst echten Möbelstoff. Dieser ist für Reibung, täglichen Gebrauch und Belastung der Nähte gemacht. Dünner Dekostoff kann schön sein, nutzt sich auf einem Sofa aber oft schneller ab.
Wählen Sie den Stoff nicht nur nach Farbe. Ein grob gewebter Stoff, Chenille, Cord oder Bouclé wirkt warm, hat aber jeweils eine andere Wirkung auf die Form. Ein fester gewebter Möbelstoff hält ein straffes Kissen in der Regel besser in Form. Samt wirkt luxuriös und fühlt sich weich an, verlangt aber Aufmerksamkeit beim Zuschneiden, da der Strich in allen Teilen in dieselbe Richtung laufen muss. Kunstleder ist gut abwischbar, braucht aber eine passende Nadel und einen etwas längeren Stich, um unnötige Perforation zu vermeiden.
Legen Sie außerdem eine scharfe Stoffschere, Maßband, Schneiderkreide, Stecknadeln oder Stoffklammern und eine Nähmaschine bereit. Bei dickem Möbelstoff funktioniert eine Universalnadel nicht immer gut. Verwenden Sie lieber eine kräftige Jeans- oder Polsterstoffnadel und testen Sie zuerst an einem Reststück. So sehen Sie sofort, ob der Stich schön bleibt und der Transporteur die Lagen gut mitnimmt.
1. Länge, Höhe und Dicke sorgfältig messen
Messen Sie immer an drei Stellen: Länge, Höhe und Dicke. Ist das alte Kissen durchgesessen, übernehmen Sie nicht einfach die aktuelle Dicke. Vergleichen Sie sie mit dem verfügbaren Platz auf dem Sofa und legen Sie fest, wie weit das Kissen herausragen soll.
Rechnen Sie bei jedem Schnittteil 1 bis 1,5 Zentimeter Nahtzugabe hinzu. Für ein Kissen von 60 x 45 x 15 Zentimetern brauchen Sie also kein Vorderteil von genau 60 x 45 Zentimetern, sondern ein Teil einschließlich Nahtzugabe. Schreiben Sie alle Maße sofort auf und notieren Sie, welches Maß das Fertigmaß ist. Das verhindert Verwirrung beim Zuschneiden.
2. Ein einfaches Schnittmuster für ein Boxkissen erstellen
Die am häufigsten verwendete Form ist ein Boxkissen: ein Vorderteil, ein Rückteil und ein langer Streifen für die Seiten. Dieser Seitenstreifen wird auch Steg genannt. Die Breite des Stegs ist die gewünschte Dicke des Kissens plus Nahtzugabe an beiden Seiten.
Die Länge des Stegs berechnen Sie aus dem Umfang des Vorderteils. Bei einem rechteckigen Kissen ist das zweimal die Länge plus zweimal die Höhe. Schneiden Sie den Steg möglichst in einem Stück zu. Lässt Ihre Stoffbreite das zu? Dann sind weniger Nähte schöner und stabiler. Müssen Sie doch stückeln, legen Sie die Naht lieber an eine weniger auffällige Seite als genau an eine Ecke.
3. Den Stoff mit Blick auf Richtung und Muster zuschneiden
Legen Sie den Stoff flach hin und schneiden Sie alle Teile im selben Fadenlauf zu. Bei einem Uni-Stoff scheint das weniger wichtig, doch der Stoff kann trotzdem anders fallen oder reflektieren, wenn Teile gedreht werden. Bei Cord, Samt und bedruckten Stoffen ist eine feste Richtung unverzichtbar.
Achten Sie auch auf den Rapport im Stoff. Streifen, Karos und deutliche Webmuster müssen auf Vorder- und Rückteil durchlaufen. Nehmen Sie sich dafür Zeit. Ein paar Zentimeter mehr Verschnitt sind oft besser als ein Kissen, auf dem die Streifen schief enden.
4. Zuerst einen separaten Innenbezug nähen
Ein Innenbezug hält Faserfüllung an ihrem Platz und schützt den Außenbezug von innen. Verwenden Sie dafür einen festen, dicht gewebten Innenstoff. Nähen Sie diesen Bezug nach demselben Schnittmuster wie den Außenbezug, lassen Sie aber in einer Naht eine Öffnung von etwa 20 bis 30 Zentimetern.
Füllen Sie den Innenbezug nach und nach. Verteilen Sie die Fasern immer bis in die Ecken, bevor Sie mehr hinzufügen. Ein häufiger Fehler ist, den Bezug zu schnell vollzustopfen. Dann wird die Mitte hart, die Ecken bleiben leer und es entstehen Beulen. Füllen Sie lieber etwas weniger, als Sie denken, und testen Sie das Kissen an der Rückenlehne. Nachfüllen geht immer.
Schließen Sie die Füllöffnung fest von Hand mit einem Leiterstich oder nähen Sie sie mit der Maschine zu. Bei einem Kissen mit Schaumstoffkern kann der Innenbezug eng anliegen. Wickeln Sie den Kern zuerst in Dacron und fixieren Sie es gegebenenfalls mit einem geeigneten Sprühkleber, damit die Watteschicht beim Einstecken nicht verrutscht.
5. Den Reißverschluss in den Außenbezug setzen
Ein abnehmbarer Bezug lohnt sich. Sie können ihn gemäß den Vorschriften des Stoffes waschen, reinigen lassen oder später ersetzen, ohne ein komplettes neues Kissen zu nähen. Setzen Sie den Reißverschluss am besten an der Unter- oder Rückseite des Kissens ein, damit er beim Sitzen kaum sichtbar ist.
Nähen Sie den Reißverschluss zuerst in einen Teil des Stegs. Arbeiten Sie ruhig und prüfen Sie, ob der Reißverschluss leicht aufgeht, bevor Sie den Rest des Bezugs schließen. Wählen Sie einen Reißverschluss, der fast die gesamte Länge der Seite einnimmt. Eine zu kurze Öffnung macht es schwierig, ein gefülltes Innenkissen sauber in den Bezug zu bekommen.
6. Steg und Teile zusammennähen
Stecken oder klammern Sie den Steg zuerst an das Vorderteil. Beginnen Sie an einer geraden Seite, nicht an einer Ecke, und verteilen Sie den Stoff gleichmäßig. Schneiden Sie die Nahtzugabe an den Ecken sehr vorsichtig bis kurz vor die Naht ein. So kann sich der Stoff sauber drehen, ohne dass die Ecke zieht.
Nähen Sie anschließend das Rückteil an die andere Seite des Stegs. Verwenden Sie für die meisten Möbelstoffe eine Stichlänge von etwa 3 bis 3,5 Millimetern. Ein zu kleiner Stich kann den Stoff durch zu viele Perforationen schwächen, vor allem bei Kunstleder. Versäubern Sie Nähte, die viel Spannung bekommen, gegebenenfalls mit einer zweiten Steppnaht direkt neben der ersten Naht.
7. Wenden, füllen und das Ergebnis beurteilen
Wenden Sie den Bezug durch den geöffneten Reißverschluss und drücken Sie die Ecken vorsichtig mit einem stumpfen Hilfsmittel heraus. Verwenden Sie keine scharfe Scherenspitze, denn damit stechen Sie leicht durch den Stoff. Stecken Sie danach das Innenkissen in den Bezug und verteilen Sie die Füllung erneut mit den Händen.
Beurteilen Sie das Rückenkissen erst, wenn es auf dem Sofa liegt. Prüfen Sie, ob die Höhe gleich ist, ob die Nähte gerade verlaufen und ob Sie angenehm sitzen. Fühlt sich das Kissen zu locker an? Dann fügen Sie Füllung hinzu. Ist es zu hart oder zu bauchig, nehmen Sie eine kleine Menge heraus. Gerade diese Möglichkeit zum Nachjustieren macht das Selbernähen so praktisch.
Details, die den Unterschied machen
Eine Paspel entlang der Kanten verleiht einem losen Rückenkissen eine professionelle, fertige Ausstrahlung. Vor allem bei Uni-Stoff kann eine kontrastierende Paspel schön wirken. Wählen Sie eine Paspel in derselben Farbe, wird der Effekt dezenter, die Form bleibt aber zusätzlich betont. Bedenken Sie, dass das Einnähen einer Paspel mehr Präzision verlangt, vor allem an den Ecken.
Auch Knöpfe, Capitonnierung oder Ziernähte sind möglich, setzen Sie sie aber bewusst ein. Ein tief capitonniertes Rückenkissen wirkt klassisch, ist aber arbeitsintensiver und weniger leicht zu waschen. Für ein erstes Projekt ist ein straffes Boxkissen mit Reißverschluss meist der beste Start. Bei BLADI Möbelstoffe finden Sie dafür Möbelstoffe, Dacron, Füllung, Reißverschlüsse und weiteren Polsterbedarf in großer Auswahl.
Nähen Sie zuerst ein Probekissen, bevor Sie alle Bezüge zuschneiden. Damit prüfen Sie nicht nur das Maß, sondern auch, wie sich der Stoff verhält, wie viel Füllung angenehm ist und ob die gewählte Reißverschlussöffnung breit genug ist. Fühlt sich dieses erste Kissen gut an, wird der Rest des Sofas deutlich einfacher – und Sie erhalten genau den Komfort, der zu Ihrem Interieur passt.