Ein Stuhl, der nach dem Neupolstern immer noch flach, kantig oder etwas billig aussieht, braucht oft keinen schöneren Stoff, sondern eine gute Deckschicht. Einen Stuhlsitz mit Volumenvlies aufzupolstern gibt dem Sitz sofort mehr Volumen, eine weichere Ausstrahlung und einen sauberen Übergang zwischen Schaumstoff und Bezug. Es ist ein relativ einfacher Eingriff, doch den Unterschied sehen und spüren Sie jedes Mal, wenn Sie sich setzen.
Volumenvlies ist kein Ersatz für abgenutzten Schaumstoff. Es ist vielmehr die Abschlussschicht, die einen Sitz bequemer und schöner macht. Wer die Materialien in der richtigen Reihenfolge verwendet, vermeidet Falten, harte Kanten und einen Bezug, der nach kurzer Zeit schlaff hängt.
Was bewirkt Volumenvlies bei einem Stuhlsitz?
Volumenvlies ist eine luftige Polyesterfüllung, die auch als Dacron oder Polyesterwatte bekannt ist. Bei Polsterarbeiten wird es meist über dem Schaumstoff angebracht, bevor der Möbelstoff befestigt wird. Die Faserschicht mildert die Konturen des Schaumstoffs und lässt den Stoff schöner über den Sitz fallen.
Das hat drei klare Vorteile. Der Sitz wirkt voller, die scharfe Kante des Schaumstoffs bleibt weniger sichtbar und der Stoff scheuert weniger direkt über den Schaumstoff. Vor allem bei glatten Möbelstoffen, Kunstleder und Samt ist Letzteres angenehm: Der Bezug bleibt besser an seinem Platz und erhält eine gepflegte, weiche Ausstrahlung.
Erwarten Sie nicht, dass Volumenvlies einen durchgesessenen Sitz wieder fest macht. Sinken Sie tief ein, fühlt sich der Schaumstoff bröckelig an oder federt die Unterseite durch, muss zuerst die Basis repariert werden. Denken Sie an neuen Kaltschaum, Polyetherschaum, Gurtband oder eine Prüfung der Federn. Volumenvlies ist der letzte Schliff, nicht die tragende Polsterung.
Wann ist es sinnvoll, einen Stuhlsitz mit Volumenvlies aufzupolstern?
Diese Methode funktioniert hervorragend bei losen Esszimmersitzen, Sesseln, Sofakissen und Hockern mit Schaumstoffkern. Auch wenn der vorhandene Schaumstoff noch gut ist, der Stuhl aber etwas mager oder kantig aussieht, kann eine Lage Volumenvlies schon ausreichen.
Bei einem straff gepolsterten Designstuhl wählen Sie meist eine dünne Lage. So bleibt die Linienführung des Möbels erhalten. Bei einem bequemen Sessel oder einem klassischen Stuhl darf die Füllung etwas großzügiger sein, für eine weichere, rundere Optik. Die gewünschte Ausstrahlung bestimmt also die Dicke mit.
Hat der Sitz tiefe Knöpfe, abgesteppte Bahnen oder einen sehr dünnen Bezug? Arbeiten Sie dann besonders genau. Zu viel Volumenvlies kann Details weniger scharf machen und den Stoff an den Nähten unnötig unter Spannung setzen.
Das benötigen Sie
Für einen Standardsitz mit einer Holzplatte als Untergrund brauchen Sie neben Volumenvlies meist Schaumstoff, Möbelstoff, eine scharfe Schere, einen Tacker mit passenden Klammern und einen flachen Schraubendreher oder Klammerentferner. Ein Sprühkleber für Polsterarbeiten erleichtert das Positionieren des Volumenvlieses, verwenden Sie ihn aber sparsam.
Prüfen Sie vorab, ob Ihr Tacker genügend Kraft für den Untergrund hat. Bei Hartholz sind Handtacker manchmal weniger geeignet. Professionelle Polsterer arbeiten oft mit Druckluftwerkzeug, doch für einen oder einige Stühle kann solides Handwerkzeug gut ausreichen, sofern die Klammern gut ins Holz eindringen.
Einen Stuhlsitz mit Volumenvlies aufpolstern in 7 Schritten
1. Den Sitz lösen und den alten Bezug entfernen
Drehen Sie den Stuhl um und lösen Sie den Sitz vom Gestell. Bewahren Sie Schrauben und eventuelle Unterlegscheiben zusammen auf. Entfernen Sie anschließend die Klammern an der Unterseite und nehmen Sie Stoff, alte Füllung und eventuell abgenutzten Schaumstoff ab. Verwenden Sie den alten Stoff als Schnittmuster, wenn er noch intakt ist.
2. Die Basis des Sitzes prüfen
Betrachten Sie die Holzplatte, die Gurtbänder oder die Federkonstruktion sorgfältig. Eine gerissene Platte, eine lose Verbindung oder eine durchhängende Unterstützung muss zuerst behoben werden. Plattenmaterial, das verzogen oder beschädigt ist, ergibt selbst mit neuem Schaumstoff und Volumenvlies kein gutes Endergebnis.
3. Den richtigen Schaumstoff und das passende Volumenvlies wählen
Verwenden Sie Schaumstoff für die Tragkraft und Volumenvlies für das Finish. Für einen Esszimmerstuhl ist eine feste Schaumstoffqualität meist praktischer als eine sehr weiche Variante, weil der Sitz intensiv belastet wird. Bei einem Sessel darf der Komfort etwas weicher sein, solange der Kern ausreichend Elastizität behält.
Wählen Sie anschließend ein Volumenvlies, das zur Form passt. Eine dünne Lage ergibt ein straffes Finish. Eine dickere, luftigere Lage rundet die Kanten sichtbarer ab. Im Zweifel ist etwas weniger oft besser: Zusätzliches Volumen können Sie immer hinzufügen, eine zu dicke Lage zu korrigieren bedeutet erneutes Lösen.
4. Den Schaumstoff zuschneiden
Legen Sie die Sitzplatte auf den Schaumstoff und zeichnen Sie die Form nach. Schneiden Sie den Schaumstoff mit einem scharfen Messer sauber aus. Möchten Sie ein weicheres Profil, können Sie die oberen Kanten leicht abrunden. Lassen Sie den Schaumstoff nicht weit über die Platte hinausragen, es sei denn, das Möbeldesign verlangt bewusst einen gewölbten, überstehenden Sitz.
5. Das Volumenvlies großzügig zuschneiden
Legen Sie den Sitz mit Schaumstoff auf das Volumenvlies und schneiden Sie rundum ausreichend zusätzliches Material ab. Rechnen Sie meist mit etwa 5 bis 8 Zentimetern Umschlag an allen Seiten. Dieser Spielraum ist nötig, um die Füllung über die Kante zu ziehen und an der Unterseite zu befestigen.
Eine kleine Menge Sprühkleber auf dem Schaumstoff verhindert, dass die Lage beim Polstern verrutscht. Sprühen Sie nicht zu dick: Volumenvlies muss luftig bleiben. Drücken Sie die Faserlage ruhig an, ohne sie platt zu ziehen.
6. Das Volumenvlies gleichmäßig um den Sitz ziehen
Arbeiten Sie immer in gegenüberliegenden Richtungen. Befestigen Sie zuerst die Mitte einer Seite, danach die Mitte der gegenüberliegenden Seite. Wiederholen Sie dies für die anderen beiden Seiten. So verteilt sich die Spannung gleichmäßig und die Form bleibt schön mittig.
Arbeiten Sie danach von der Mitte zu den Ecken. Ziehen Sie das Volumenvlies straff genug, um Falten zu entfernen, aber nicht so stark, dass Sie das Material zusammendrücken. An runden Ecken legen Sie kleine, saubere Falten an der Unterseite. Schneiden Sie überschüssiges Material erst weg, wenn alles gut liegt.
7. Den Möbelstoff anbringen
Legen Sie den Stoff gerade auf den Arbeitstisch und platzieren Sie den Sitz verkehrt herum darauf. Achten Sie auf Strich, Struktur oder die Richtung eines Dessins. Bei Cord, gewebten Streifen und Samt ist eine schiefe Platzierung sofort sichtbar.
Tackern Sie auch hier zuerst die Mitten gegenüberliegender Seiten. Prüfen Sie nach jeweils einigen Klammern die Oberseite. Sehen Sie eine Falte, entfernen Sie die letzten Klammern sofort und korrigieren Sie. Erst wenn der Stoff überall straff und gleichmäßig liegt, schließen Sie die Ecken ab und schneiden überschüssigen Stoff an der Unterseite weg.
Häufige Fehler bei der Verarbeitung von Volumenvlies
Der häufigste Fehler ist, Volumenvlies zu verwenden, um kaputten Schaumstoff zu kaschieren. Der Stuhl fühlt sich dann vielleicht vorübergehend voller an, doch die Unterstützung bleibt schlecht. Ein zweiter Fehler ist zu viel Material an den Ecken. Das verursacht dicke Wülste unter dem Sitz und kann dazu führen, dass der Stuhl nicht mehr eben am Gestell anliegt.
Auch ungleichmäßige Spannung kommt häufig vor. Wer eine Seite komplett abschließt und erst danach die andere Seite bearbeitet, zieht Stoff und Füllung leicht schief. Beginnen Sie deshalb immer in der Mitte und wechseln Sie die Seiten ab. Nehmen Sie sich Zeit, die Oberseite zwischendurch zu prüfen. Kleine Abweichungen sind früh schnell behoben.
Achten Sie außerdem auf die Kombination aus Stoff und Füllung. Dünnes Kunstleder oder ein fein gewebter Möbelstoff zeigt Unebenheiten schneller als ein dickes Bouclé oder eine Chenille. Eine saubere Volumenvlieslage hilft, doch ein sorgfältig zugeschnittener Schaumstoffkern bleibt die Basis eines straffen Ergebnisses.
Wählen Sie Materialien, die zur Nutzung passen
Ein Esszimmerstuhl ist täglich Druck, Reibung und Bewegung ausgesetzt. Wählen Sie daher nicht nur nach Optik, sondern auch nach Scheuerfestigkeit und Pflege. Bei Familien, Haustieren oder in der Gastronomie sind pflegeleichte Möbelstoffe und robustes Kunstleder oft eine kluge Wahl. Für eine luxuriöse, warme Ausstrahlung passen Samt, Chenille oder Bouclé schön, sofern der Stoff für die Nutzungsintensität geeignet ist.
Für Heimwerker ist es angenehm, wenn Schaumstoff, Volumenvlies, Stoff, Klammern und Werkzeug aufeinander abgestimmt sind. BLADI Möbelstoffe bietet dafür ein breites Sortiment an Polsterbedarf, sodass Sie nicht mit Materialien improvisieren müssen, die eigentlich für eine andere Anwendung gedacht sind.
Ein gut aufgebauter Sitz muss nicht kompliziert sein. Geben Sie der Basis die nötige Festigkeit, verwenden Sie Volumenvlies für ein volles Finish und arbeiten Sie ruhig Schritt für Schritt. Dann verändert sich ein abgenutzter Stuhlsitz nicht nur optisch, sondern wird wieder zu einem Platz, an dem Sie gern sitzen.