Einen losen Stuhlsitz zu beziehen ist ein ideales erstes Polsterprojekt: Der Sitz lässt sich meist leicht abnehmen, Sie arbeiten auf einer ebenen Fläche und der Unterschied ist sofort sichtbar. Dennoch entscheidet gerade die Vorbereitung, ob das Ergebnis straff, bequem und langlebig wird. Mit dem richtigen Möbelstoff, einer guten Füllung und sorgfältig gesetzten Klammern geben Sie einem alten Stuhl ein zweites Leben.
Zuerst beurteilen: Was muss ersetzt werden?
Drehen Sie den Stuhl um und lösen Sie den Sitz. Oft ist er mit vier Schrauben am Gestell befestigt. Bewahren Sie die Schrauben getrennt auf und notieren Sie gegebenenfalls die Position des Sitzes, vor allem bei Stühlen, die nicht vollständig symmetrisch sind.
Betrachten Sie anschließend die Unterseite. Ist die Platte stabil, eben und frei von Rissen? Dann können Sie sie meist wiederverwenden. Sperrholz ist stärker als Spanplatte und hält Klammern besser. Ist die Platte verzogen, durch Feuchtigkeit weich geworden oder rund um die Schraubenlöcher gerissen, ersetzen Sie sie zuerst. Ein schöner Stoff kann eine schwache Basis nicht reparieren.
Prüfen Sie auch den Schaumstoff. Schaumstoff, der nach dem Eindrücken langsam zurückkommt, sich hart anfühlt oder sichtbar zerbröselt, muss ersetzt werden. Bei einem Esszimmerstuhl ist Komfort wichtig, doch eine zu dicke oder zu weiche Füllung macht den Sitz plump und kann das Heranrücken an den Tisch erschweren. Für die meisten losen Sitze ist eine feste Schaumstofflage von etwa 2 bis 4 Zentimetern eine praktische Wahl. Wer etwas mehr Sitzkomfort möchte, kann darüber eine dünne Lage Dacron anbringen.
Wählen Sie den Stoff nach der Nutzung des Stuhls
Nicht jeder schöne Stoff eignet sich automatisch für einen Stuhlsitz. Ein Sitz muss mehr Reibung, Druck und Flecken aushalten als eine Rückenlehne oder ein Zierkissen. Wählen Sie deshalb einen Möbelstoff, der zur Intensität der Nutzung passt.
Für einen Küchen- oder Esszimmerstuhl ist ein dicht gewebter Möbelstoff oft eine sichere Wahl. Chenille fühlt sich weich und warm an, verlangt bei intensiver Nutzung aber eine Qualität mit ausreichender Scheuerfestigkeit. Samt verleiht eine luxuriöse Ausstrahlung und ist wunderschön für Stühle, die weniger stark belastet werden. Cord und Bouclé bringen viel Struktur ins Interieur, berücksichtigen Sie aber die Richtung von Flor oder Rippe und dass sich Schmutz in einer ausgeprägten Struktur leichter festsetzen kann.
Kunstleder oder Skai ist praktisch, wenn der Stuhl regelmäßig von Kindern genutzt wird, in der Gastronomie steht oder schnell abwischbar sein muss. Das Material ist leicht zu reinigen, hat aber weniger Dehnung als manche gewebten Stoffe. Ziehen Sie es also gleichmäßig an, um Spannung und Falten zu vermeiden. Haben Sie Haustiere? Dann ist ein dicht gewebter, haustierfreundlicher Möbelstoff oft sinnvoller als eine lockere Webart, in der Krallen hängen bleiben können.
Bestellen Sie im Zweifel zuerst ein Stoffmuster. Die Farbe verändert sich durch Tageslicht, Kunstlicht und die Farbe des Holzstuhls. Auch Struktur und Dehnbarkeit spüren Sie erst richtig, wenn Sie das Material in der Hand halten.
Das benötigen Sie, um einen losen Stuhlsitz zu beziehen
Für dieses Projekt brauchen Sie nicht viel kompliziertes Werkzeug, doch gutes Material erleichtert die Arbeit spürbar. Legen Sie Möbelstoff, bei Bedarf Schaumstoff, Dacron oder Fiberfill, einen Tacker mit passenden Klammern, einen flachen Schraubendreher oder Klammerentferner, eine scharfe Stoffschere, ein Maßband und einen Bleistift bereit. Ein elektrischer oder Druckluft-Tacker arbeitet am schnellsten, doch mit einem soliden Handtacker gelingt ein einzelner Stuhlsitz ebenfalls problemlos.
Wählen Sie Klammern, die fest in der Platte greifen, ohne an der Oberseite durchzukommen. Bei einer Standard-Sitzplatte sind Klammern von 6 bis 10 Millimetern oft geeignet, je nach Stärke von Platte und Stoff. Testen Sie immer zuerst an der Unterseite oder an einem Holzrest. Nicht jeder Tacker verarbeitet jeden Klammertyp gleich gut.
Messen Sie den Sitz aus und rechnen Sie beim Stoff rundum reichlich zusätzliches Material ein. Planen Sie im Allgemeinen mindestens 10 bis 15 Zentimeter extra an jeder Seite ein. Bei einem dicken Sitz, runden Ecken oder einem Stoff, der leicht ausfranst, ist etwas mehr Reserve sinnvoll. Zu viel Stoff schneiden Sie später ab, zu wenig Stoff lässt sich nicht mehr ergänzen.
Schritt 1: Entfernen Sie den alten Bezug sorgfältig
Ziehen Sie den alten Stoff und gegebenenfalls den Unterstoff ab, nachdem Sie die Klammern entfernt haben. Das ist kein überflüssiger Schritt: Der alte Bezug ist ein brauchbares Schnittmuster für den neuen Stoff. Achten Sie darauf, wie die Ecken gefaltet sind und ob der Stoff eine sichtbare Vorderseite oder einen festen Fadenlauf hatte.
Bei älteren Stühlen kann die alte Füllung aus mehreren Lagen Stoff, Karton oder Jute aufgebaut sein. Entfernen Sie nur, was abgenutzt, lose oder unhygienisch ist. Eine stabile Unterlage darf bleiben, wenn sie den neuen Bezug nicht dicker oder ungleichmäßig macht.
Schritt 2: Schneiden Sie die Füllung passgenau zu
Legen Sie die Platte auf den Schaumstoff und zeichnen Sie die Form nach. Schneiden Sie den Schaumstoff mit einem scharfen langen Messer etwas innerhalb der Linie zu, etwa 3 bis 5 Millimeter. Dadurch wölbt sich der Rand weniger auf, wenn Sie den Stoff später straff ziehen.
Legen Sie anschließend eine Lage Dacron über den Schaumstoff. Diese Lage macht den Übergang zum Rand schöner, verhindert, dass die Struktur des Schaumstoffs durch den Stoff sichtbar wird, und gibt dem Sitz eine weichere, vollere Ausstrahlung. Schneiden Sie das Dacron großzügig zu, damit es an der Unterseite der Platte festgetackert werden kann. Bei einem sehr dünnen, flachen Sitz ist Dacron nicht immer nötig, doch bei den meisten Möbelstoffen ergibt es ein saubereres Ergebnis.
Schritt 3: Bestimmen Sie die Richtung des Stoffes
Legen Sie den Stoff mit der rechten Seite nach unten auf eine saubere Unterlage. Legen Sie Dacron, Schaumstoff und Sitzplatte darauf. Prüfen Sie jetzt noch einmal die Richtung von Rippe, Flor, Karo oder Streifen. Alle Stühle eines Sets müssen dieselbe Richtung haben, sonst wirkt das Ganze unruhig.
Bei Samt ist das besonders wichtig. Streichen Sie mit der Hand über den Flor, sehen Sie oft einen Farbunterschied. Legen Sie vorab fest, welche Seite vorn sein soll, und bleiben Sie konsequent dabei. Prüfen Sie auch, ob ein Muster zentriert ist. Ein Muster, das auf einem Stuhl schief verläuft, bleibt sichtbar, wie straff der Rest auch verarbeitet ist.
Schritt 4: Tackern Sie zuerst die Mittelpunkte fest
Beginnen Sie nicht an den Ecken. Ziehen Sie den Stoff an einer Seite leicht straff und setzen Sie eine Klammer in die Mitte. Machen Sie anschließend dasselbe an der gegenüberliegenden Seite. Wiederholen Sie dies für die beiden anderen Seiten. Drehen Sie den Sitz um und prüfen Sie sofort, ob der Stoff gerade liegt und die Füllung gleichmäßig verteilt ist.
Arbeiten Sie danach von jedem Mittelpunkt aus zu den Ecken hin. Setzen Sie alle paar Zentimeter eine Klammer und wechseln Sie stets zwischen gegenüberliegenden Seiten. So verteilen Sie die Spannung und verhindern, dass sich der Stoff verzieht. Ziehen Sie kräftig, aber nicht so stark, dass der Stoff dünn wird, ein Muster verzerrt oder die Füllung auf einer Seite zusammengedrückt wird.
Schritt 5: Verarbeiten Sie die Ecken sauber
Ecken verlangen die meiste Geduld. Bei einer rechtwinkligen Ecke falten Sie den Stoff straff nach innen, wie beim Einpacken eines Geschenks, ohne dicke Wülste unter dem Sitz zu bilden. Bei abgerundeten Ecken legen Sie an der Unterseite kleine, gleichmäßige Falten. Jede Falte wird glatt gezogen und festgetackert, bevor Sie die nächste legen.
Schneiden Sie überschüssigen Stoff erst ab, wenn alle Ecken befestigt sind und Sie mit der Oberseite zufrieden sind. Lassen Sie neben den Klammern einen kleinen Rand stehen. Schneiden Sie zu nah an den Klammern, kann sich ausfransender Stoff mit der Zeit lösen.
Schritt 6: Prüfen Sie die Unterseite und bringen Sie einen Abschlussstoff an
Ein Unterstoff verleiht dem losen Sitz ein professionelles Finish. Er verdeckt Klammern, Stoffkanten und eventuelle Füllung an der Unterseite, sodass der Stuhl auch von unten gepflegt aussieht. Schneiden Sie den Stoff etwas kleiner als die Platte zu, schlagen Sie den Rand gegebenenfalls nach innen ein und tackern Sie ihn rundum fest.
Achten Sie darauf, dass die Schraubenlöcher frei bleiben. Stechen Sie sie bei Bedarf vorsichtig mit einer Ahle oder einem Schraubendreher durch. Prüfen Sie auch, ob keine Klammern herausstehen. Eine herausstehende Klammer kann das Stuhlgestell beschädigen oder dazu führen, dass der Sitz nicht plan aufliegt.
Schritt 7: Montieren und testen Sie den Sitz
Schrauben Sie den Sitz wieder auf das Gestell, ohne die Schrauben sofort maximal festzuziehen. Drehen Sie zuerst alle handfest ein, prüfen Sie die Ausrichtung und ziehen Sie sie danach gleichmäßig an. Setzen Sie sich kurz auf den Stuhl und prüfen Sie, ob der Sitz stabil ist, nicht wackelt und nirgends Spannung auf dem Stoff liegt.
Sehen Sie eine kleine Falte nahe am Rand? Diese lässt sich manchmal noch korrigieren, indem Sie ein oder zwei Klammern lösen und den Stoff neu spannen. Warten Sie damit nicht zu lange: Je schneller Sie korrigieren, desto leichter liegt der Stoff wieder schön glatt.
Ein sorgfältig bezogener Sitz muss kein kompliziertes Projekt sein. Wählen Sie Materialien, die zur täglichen Nutzung passen, arbeiten Sie ruhig von der Mitte zu den Ecken und nehmen Sie sich Zeit für das Finish. Bei BLADI Möbelstoffe finden Sie dafür Möbelstoffe, Füllung, Dacron, Klammern und Werkzeug ab Lager – damit Sie nicht nur einen Stuhl auffrischen, sondern auch jahrelang gern darauf sitzen.